Ein Website-Relaunch kostet vor allem dann Rankings, wenn Google die alten Adressen nicht mehr findet oder Inhalte wegfallen, für die deine Seiten bisher gefunden wurden. Vermeiden lässt sich das mit einem Weiterleitungsplan: Vor dem Umbau erfasst du jede Adresse, die heute Besucher oder Links bringt, und leitest sie per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite um. Inhalte mit guten Rankings übernimmst du mit ihrer Substanz. Nach dem Start kontrollierst du einige Wochen lang in der Search Console, ob die neuen Adressen im Index ankommen.
Kleine Ausschläge nach dem Start sind normal. Google weist selbst darauf hin, dass Rankings während eines Umzugs vorübergehend schwanken. Bei mittelgroßen Websites dauert es laut Google einige Wochen oder länger, bis die neuen Adressen die alten in den Suchergebnissen ersetzen. Ein dauerhafter Einbruch dagegen hat fast immer eine konkrete Ursache. Die meisten dieser Ursachen lassen sich vorher ausschließen.
Rankings gehen beim Relaunch meist an vier Stellen verloren
Adressen ändern sich ohne Weiterleitung. Aus /leistungen/badsanierung.html wird /badsanierung/, und die alte Adresse führt ins Leere. Google verliert die Verbindung zwischen alter und neuer Seite. Links von anderen Websites zeigen danach auf eine Fehlerseite.
Inhalte werden gekürzt. Das neue Design sieht mit weniger Text aufgeräumter aus. Die Seite, die bisher für „Badsanierung Kosten“ gefunden wurde, ist danach ein kurzer Teaser mit großem Bild. Google hat keinen Grund mehr, sie weit oben zu zeigen.
Technische Sperren bleiben aktiv. Während der Entwicklung soll Google die Testumgebung nicht indexieren. Wird diese Sperre beim Start mit übernommen, verschwindet die Website nach und nach aus den Ergebnissen. Google erinnert in seiner Anleitung zu Umzügen ausdrücklich daran, solche Sperren zu entfernen.
Die Struktur ändert sich. Wichtige Seiten rutschen im Menü nach hinten oder verlieren interne Links. Für Google ist das ein Hinweis, dass sie weniger wichtig geworden sind.
Vor dem Umbau erfasst du jede Adresse, die heute etwas bringt
Die Bestandsaufnahme ist der wichtigste Schritt und wird am häufigsten ausgelassen. Sammle die Adressen der alten Website aus mehreren Quellen:
- Search Console: alle Seiten mit Klicks oder Impressionen der letzten zwölf Monate, dazu die Suchanfragen, für die sie gefunden werden.
- Webanalyse: die Einstiegsseiten, über die Besucher kommen und anfragen.
- Crawl der Website: Ein Crawler findet auch Seiten, die in keinem Menü mehr stehen, etwa alte Aktionsseiten.
- Links von außen: Der Linkbericht der Search Console zeigt, welche deiner Seiten von anderen Websites verlinkt werden.
- XML-Sitemap: Die alte Sitemap speicherst du ab, bevor sie überschrieben wird.
Aus dieser Liste entsteht deine Vergleichsbasis. Notiere für die wichtigsten Seiten Klicks, Positionen und Anfragen vor dem Relaunch. Nur so erkennst du später, ob etwas fehlt.
Jede alte Adresse bekommt ein passendes neues Ziel
Auf Basis der Liste legst du für jede alte Adresse fest, wohin sie künftig führt. Ein Ausschnitt aus einem solchen Plan, als Beispiel:
| Alte Adresse | Neue Adresse | Hinweis |
|---|---|---|
| /leistungen/badsanierung.html | /badsanierung/ | Inhalt übernommen und erweitert |
| /index.php?id=12 | /ueber-uns/ | alte Systemadresse |
| /news/tag-der-offenen-tuer | /aktuelles/ | Termin vorbei, thematisch nächste Seite |
| /heizung-bruchsal.html | /heizung/bruchsal/ | Stadtseite bleibt erhalten |
Für den Plan gelten einige Regeln, die Google in seiner Dokumentation zu Umzügen selbst empfiehlt oder die sich in der Praxis bewährt haben:
- Serverseitige, dauerhafte Weiterleitungen nutzen. Google empfiehlt 301 oder 308. Weiterleitungen per JavaScript sind nur eine Notlösung, weil Google sie erst erkennt, wenn die Seite gerendert wird.
- Auf die passende Seite leiten, nicht auf die Startseite. Eine Sammelweiterleitung aller alten Adressen auf die Startseite hilft weder Besuchern noch Google.
- Ketten vermeiden. Wurde eine Seite schon beim letzten Relaunch umgezogen, zeigt auch die älteste Adresse direkt auf das neue Ziel und nicht über Zwischenstationen.
- Weiterleitungen lange bestehen lassen. Google rät, sie so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Beim Wechsel des Hostings gehen sie besonders gern verloren.
- Seiten ohne Nachfolger ehrlich beenden. Gibt es für eine Seite wirklich keinen Ersatz und hat sie weder Besucher noch Links, darf sie mit einer 404- oder 410-Meldung verschwinden.
Inhalte, die heute ranken, übernimmst du mit ihrer Substanz
Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit, Inhalte zu verbessern. Riskant wird es, wenn dabei die Substanz verschwindet. Für die Seiten aus deiner Liste mit den meisten Klicks gilt deshalb: erst übernehmen, dann gezielt verbessern.
Das Hauptthema bleibt im Seitentitel und in der Hauptüberschrift. Texte, die Fragen der Besucher beantworten, bleiben erhalten, auch wenn das Design mit weniger Text schöner aussähe. Zusammengelegte Seiten bekommen eine gemeinsame Adresse, auf die beide alten Adressen weiterleiten. Strukturierte Daten und Alternativtexte von Bildern ziehen mit um, statt beim Import verloren zu gehen.
Umgekehrt darfst du ausmisten. Veraltete Meldungen oder doppelte Seiten ohne Besucher müssen nicht mit. Sie bekommen eine Weiterleitung auf die thematisch nächste Seite oder verschwinden, wenn es keine gibt.
Auf der Testumgebung prüfst du die Technik, bevor Google sie sieht
Die neue Website entsteht idealerweise auf einer Testumgebung, die per Passwort geschützt ist. Ein reines noindex reicht dafür nicht, weil es beim Start leicht vergessen wird. Vor dem Start gehst du diese Punkte durch:
- Jede neue Seite verweist per Canonical-Tag auf sich selbst.
- Interne Links zeigen direkt auf die neuen Adressen, nicht über Weiterleitungen.
- Die neue XML-Sitemap enthält nur die neuen Adressen, die indexiert werden sollen.
- Seitentitel und Meta-Beschreibungen sind auf allen wichtigen Seiten gepflegt.
- Die Website lädt auch am Handy schnell, alle Formulare kommen an.
- Das Conversion-Tracking läuft, damit du Anfragen vor und nach dem Relaunch vergleichen kannst.
- Bei mehrsprachigen Seiten zeigen die hreflang-Angaben auf die neuen Adressen.
Wechselt auch die Domain, meldest du den Umzug zusätzlich über das Tool zur Adressänderung in der Search Console. Bei einem Relaunch auf derselben Domain ist das nicht nötig.
Am Starttag und in den Wochen danach zählt die Kontrolle
Am Starttag prüfst du die komplette Liste der alten Adressen automatisch. Jede muss mit einer dauerhaften Weiterleitung antworten und direkt auf eine funktionierende neue Seite führen. Entferne jede Sperre aus der Entwicklungszeit, in der robots.txt ebenso wie in den Meta-Angaben, und reiche die neue Sitemap in der Search Console ein.
In den folgenden Wochen schaust du regelmäßig in die Search Console. Der Bericht zur Seitenindexierung zeigt, ob Google die neuen Seiten aufnimmt und wo Fehlerseiten auftauchen. Im Leistungsbericht vergleichst du Klicks und Positionen deiner wichtigsten Seiten mit der Vergleichsbasis von vorher. Fällt eine einzelne Seite deutlich ab, liegt die Ursache meist genau dort, etwa bei einer fehlenden Weiterleitung oder gekürztem Inhalt. Sobald genug Besuche zusammenkommen, zeigt dir der Bericht zu den Core Web Vitals außerdem, ob die neue Website bei echten Besuchern schnell lädt und ohne Verzögerung reagiert.
Behalte dabei auch die Anfragen im Blick. Eine Website mit stabilen Rankings, die weniger Anfragen bringt, ist kein gelungener Relaunch.
Diese Fehler sehen wir bei Relaunches immer wieder
SEO kommt erst kurz vor dem Start dazu. Dann steht die Struktur längst, und Weiterleitungen werden unter Zeitdruck zusammengestückelt.
Blogartikel werden beim Aufräumen gelöscht. Oft sind gerade ältere Ratgeberbeiträge die Seiten mit den meisten Besuchern von Google.
Systemwechsel ohne Adressplan. Wer von einem Baukasten zu WordPress oder Astro wechselt, bekommt fast immer neue Adressen. Das ist kein Problem, solange jede alte Adresse ein Ziel hat.
Nach dem Start schaut niemand mehr hin. Fehler, die in den ersten Wochen auffallen, sind schnell behoben. Nach einem halben Jahr sind die Rankings oft schon an Mitbewerber gegangen.
Ein Relaunch ist die Gelegenheit für mehr als ein neues Design
Wer ohnehin neu baut, kann Dinge einplanen, die nachträglich aufwendig wären. Dazu gehört Barrierefreiheit, die für viele Onlineshops und Buchungsseiten für Verbraucher seit 2025 gesetzlich gefordert ist. Mehr dazu im Beitrag Was das BFSG für Websites und Onlineshops bedeutet. Ebenso lohnen sich eigene Seiten für wichtige Leistungen und Orte, die bisher gefehlt haben. Unser Vorgehen bei einem neuen Auftritt steht unter Webdesign und Relaunch, wie wir die Sichtbarkeit danach weiter ausbauen, unter SEO.
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